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Typ 16: Kiesgeprägte Tieflandbäche


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,55
1,65
2,15
2,75
3,40

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen mäßig hohen saprobiellen Grundzu­stand aus. Der natürliche Eintrag organisch abbaubaren Materials endogener wie auch exogener Herkunft ist in der Menge vergleichbar mit dem der Bachtypen im Mittelgebirge sowie der Sandgeprägten Tieflandbäche. Aufgrund des höheren mittleren Gefälles sowie der größeren Sohlrauhigkeit ist die Kontaktfläche zwischen Wasserkörper und Luft höher als in Gewässern des Typs 14. Der saprobielle Grundzustand liegt daher zwischen denen der Typen 14 und 5 bzw. 5.1.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
60,00
20,00
52,00
44,00
36,00
28,00
T
Fauna-Index Typ 14/16
1,80
-0,20
1,40
1,00
0,60
0,20
V/D
Anzahl Trichoptera-Arten
12,00
2,00
10,00
8,00
6,00
4,00
F
Litoral-Besiedler [%]
2,00
20,00
5,60
9,20
12,80
16,40
F
Pelal-Besiedler [%]
1,00
20,00
4,80
8,60
12,40
16,20

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Bei den Kiesgeprägten Tieflandbächen handelt es sich im naturnahen Zustand um schnell fließende Bäche, bei denen längere, flach überströmte Schnellen mit kurzen, tieferen Stillen wechseln. Es dominieren strömungsliebende Arten; Arten der Stillwasserzonen sind stark unterrepräsentiert (Litoral-Besiedler [%]). Die vorherrschenden Sohlsubstrate Kies und Sand werden von Hartsubstrat­besiedlern und Besiedlern von Wassermoosen dominiert; Besiedler unverfestigter Feinsedimente wie Schlick und Schlamm sind kaum vorhanden (Pelal-Besiedler [%]). Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera stellen in natur­nahen Gewässern dieses Typs aufgrund der guten Sauerstoffversorgung und des vielfältigen Angebotes an Hartsubstraten bis zu 60 % der vorkommenden Individuen (EPT [%] (HK)). Dieser sehr dynamische Fließgewässertyp ist artenreich und wird von zahlreichen, an die Strömung angepassten, sauerstoff­bedürftigen Arten besiedelt (Fauna-Index Typ 14/16), darunter verschiedene Köcherfliegenarten (Anzahl Trichoptera-Arten).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine natürliche Strukturvielfalt und Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (<= 44 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Ein Faktor, der die Höhe des Metric-Wertes beeinflusst, ist der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Fauna-Index Typ 14/16: Der Index ist hoch mit positiven Strukturelementen kor­reliert und bewertet somit vor allem die Auswirkungen struktureller Degradation auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikrohabitate), rea­giert aber auch auf Beeinträchtigungen auf Einzugsgebietebene (z. B. ver­stärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (> 1,0) indizieren ein strukturell intaktes Gewässer, bedingt durch das Vorkommen solcher Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. xylophage Arten der Köcherfliegengattung Lype sp.).

Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Ge­wässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, darunter die Eintagsfliege Caenis horaria oder die Köcherfliege Goera pilosa in größeren Individuendichten. Ein Parameter, der die Höhe des Metric-Wertes bestimmt, ist u. a. der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Anzahl Trichoptera-Arten: Köcherfliegen sind in naturnahen Kiesgeprägten Tieflandbächen mit zahlreichen, vielfach sauerstoffbedürftigen Arten vertreten (> 7 Taxa), die bevorzugt die schneller strömenden Bereiche besiedeln und das Vorkommen einer diversen Makrozoobenthoszönose indizieren. Beispiele hierfür sind Agapetus fuscipes und Lithax obscurus. Niedrige Werte des Metrics lassen u. a. auf ein gestörtes Fließverhalten und eine veränderte Substratzusammen­setzung schließen. Weitere Faktoren, die das Vorkommen von Trichoptera-Arten beeinflussen, sind die Anteile von Acker- und Grünlandflächen im Einzugsgebiet.

Litoral-Besiedler [%]: Der Anteil an Litoral-Besiedlern, Arten, die bevorzugt in den Uferzonen von Stillgewässern oder Stillwasserbereichen großer Flüsse siedeln, ist in naturnahen Gewässern des Typs 16 sehr gering (<= 2 %). Ist der Anteil an Litoral-Besiedlern (z. B. Caenis horaria, Lymnaea stagnalis) erhöht (>= 9,2 %), ist das natürliche Fließverhalten des Gewässers gestört. Mögliche Ursachen sind vor allem Stauhaltung und fehlende Beschattung mit dem dadurch bedingten Aufwuchs von größeren, stillwassertypischen Makrophytenbeständen. Weiterhin bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes auch durch den Waldanteil im Einzugsgebiet.

Pelal-Besiedler [%]: Pelal-Besiedler sind in naturnahen Gewässern des Typs 16 nur mit sehr geringer Individuendichte vertreten (<= 1 %), da unverfestigte Feinsedimente (Schlick, Schlamm) nur in den strömungsberuhigten Bereichen zwischen dem Kies oder im Uferbereich vorkommen. Ist der Anteil an Pelal-Besiedlern, beispielsweise durch das individuenreiche Vorkommen der Köcher­fliege Mystacides azurea, erhöht, deutet das auf einen zu hohen Anteil dieser feinen, mobilen Substrate hin. Mögliche Ursachen sind u. a. Stauhaltung sowie der Eintrag von feinem Material aus dem beispielsweise intensiv landwirtschaft­lich genutzten Einzugsgebiet und das dadurch bedingte Zusetzen des Interstitials. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes bestimmen, sind insbesondere das Vorhandensein von Querbauwerken und der dadurch bedingte Aufstau sowie der Waldanteil im Einzugsgebiet.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 11.12.2018
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